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Pressemitteilung des IfW vom 11.10.2006


 

Abbau des US-Leistungsbilanzdefizits: 
Rezessionsgefahr für Deutschland und die Welt?

Das US-Leistungsbilanzdefizit in Höhe von 6,5 Prozent des Bruttosozialprodukts wird sich langfristig auf ein tragfähiges Niveau verringern. Erfolgt die notwendige Korrek­tur wie erwartet über eine Abnahme der Ersparnisse außerhalb der Vereinigten Staaten, so bleibt die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland davon weitgehend unberührt. Führt die Anpassung jedoch zu Finanzmarktturbulenzen oder zu einem Erstarken des Protektionismus, so wird voraussichtlich auch die deutsche Wirtschaft in Mitleidenschaft gezogen. Dies sind die zentralen Ergebnisse einer Studie der IfW-Forscher Jonas Dovern, Carsten-Patrick Meier und Joachim Scheide, die als Kieler Diskussionsbeitrag 422/423 veröffentlicht wurde.

Die IfW-Forscher machen in erster Linie die hohe Ersparnis außerhalb der USA für das hohe US-Leistungsbilanzdefizit verantwortlich. Anhand eines makroökono­mischen Modells kommen sie zu dem Schluss, dass eine Verringerung des Defizits durch eine allmähliche Abnahme der Ersparnis in der übrigen Welt für Deutschland sogar positive Effekte haben könnte. Denn ein verringertes Sparvolumen in der übri­gen Welt würde zwar die Kapitalzuflüsse in die USA verringern und so zu einer Abwertung des Dollars und damit zu einem Rückgang der Binnennachfrage in den USA führen. Gleichzeitig würden sich jedoch die Währungen der asiatischen Länder und der Ölförderländer aufwerten und so die Nachfrage nach deutschen Produkten erhöhen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass der Saldo aus beiden Effekten für Deutschland positiv ausfällt.

Einen Dämpfer erhält die deutsche Wirtschaft jedoch dann, wenn sich die Anpassung des US-Leistungsbilanzdefizits durch Änderungen in den Vereinigten Staaten selbst ausgelöst wird. Wenn also etwa die Sparquote dort deutlich anzieht oder der Dollar wegen eines Vertrauensverlustes massiv abwertet. Die von den IfW-Ökonomen durchgeführten Simulationsrechnungen verdeutlichen aber, dass sich selbst im ungünstigsten Fall diese negativen Effekte für die Weltwirtschaft und Deutschland in Grenzen halten. Gravierend wäre es jedoch, wenn die Regierungen das US-Leis­tungsbilanzdefizit zum Anlass für protektionistische Maßnahmen nähmen, da hier­durch das Wachstum der Weltwirtschaft nachhaltig beeinträchtigt würde.

Vollständiger Diskussionsbeitrag

Fachliche Ansprechpartner:

Dipl.-Volksw. Jonas Dovern
Tel. +49 (431) 8814-266
jonas.dovern@ifw-kiel.de

Dr. Carsten-Patrick Meier
Tel. +49 (431) 8814-267
carsten-patrick.meier@ifw-kiel.de

Prof. Dr. Joachim Scheide
Tel. +49 (431) 8814-264
joachim.scheide@ifw-kiel.de