Jean-Claude Trichet, geboren am 20. Dezember 1942 in Lyon (Frankreich), ist Präsident der Europäischen Zentralbank, Frankfurt.
1964 machte er seinen Abschluss als Bergbauingenieur (Ingénieur Civil des Mines) an der École Nationale Supérieure des Mines de Nancy. Darüber hinaus studierte er Politologie in Paris und absolvierte dort von 1969 bis 1971 einen Studiengang in Volkswirtschaft an der École Nationale d’ Aministration (ENA). Im Anschluss an sein Studium nahm Trichet 1971 eine Tätigkeit in der Finanzverwaltung auf. Er wurde 1974 Referent in der Generalinspektion für Finanzen und 1975 in das Schatzamt des Finanzministeriums berufen. Drei Jahre später avancierte er bereits zum Berater des Wirtschaftsministers. Danach beriet Trichet den Staatspräsidenten Valéry Giscard d’Estaing in der Industrie-, Energie- und Forschungspolitik. Ab 1976 war er Generalsekretär des Interministeriellen Ausschusses für die Verbesserung industrieller Strukturen (CIASI).
Ab 1981 war Trichet für Entwicklungspolitik, danach für internationale Beziehungen im Wirtschafts- und Finanzministerium zuständig und übernahm 1985 die Leitung der Abteilung für internationale Beziehungen. Ein Jahr später rückte er in die Leitung des Führungsstabes des Finanzministers Balladur auf. 1987 wurde er Leiter des Schatzamtes, eine Funktion, die er unter wechselnden Premierministern bis 1993 inne hatte. Als strenger Währungspolitiker machte sich Trichet bei der Reform der französischen Zentralbank wie auch bei den Vorbereitungen für die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion international einen Namen. Von 1985 bis 1993 verschaffte sich Trichet als Präsident des "Clubs von Paris" bei der Schuldenverwaltung und Entschuldung der Entwicklungsländer internationale Anerkennung.
Im September 1993 wurde Trichet an die Spitze der Banque de France berufen (erste Amtszeit). 1994 wurde er zunächst Vorsitzender des Geldpolitischen Rats der Banque de France und 1995 stellvertretender Gouverneur des Internationalen Währungsfonds (bis 2003). Ab 1999 begann seine zweite Amtszeit als Präsident der französischen Zentralbank. Er verteidigte gegen wechselnde Regierungen mit Erfolg die Unabhängigkeit seiner Institution, die er mit ungewöhnlicher Transparenz führte. Da der Zentralbankpräsident mit großem Engagement auch an den Vorbereitungen zur Währungsunion in Europa mitwirkte, schlug ihn sein Land bereits im Herbst 1997 als Präsident der künftigen Europäischen Zentralbank (EZB) vor. Am 29. Oktober 2003 wurde Trichet offiziell als Nachfolger von Wim Duisenberg bestätigt.
Trichet ist Commandeur de l’Ordre National de la Légion d’Honneur (Kommandeur der französischen Ehrenlegion). 1991 zeichnete „The International Economy Magazine“ ihn als „Policy Maker of the Year“ aus. 1999 erhielt er das Großkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Darüber hinaus ist er unter anderem Kommandeur der nationalen Verdienstorden von Argentinien, Belgien, Côte d’Ivoire, Ecuador, Jugoslawien und Österreich und wurde als „Person of the Year“ (Financial Times – 2007) und „Central Banker of the Year“ (The Banker – 2008) ausgezeichnet. Trichet wurden mehrere Ehrendoktortitel verliehen.
►Literaturhinweise über ECONIS Select (ZBW)
Weltwirtschaftlicher Preis 2011 - Victor Chu - Lawrence H. Summers