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23.04.2014
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Risiko und Volatilität im Finanzsektor

Ein effizienter, funktionsfähiger Finanzsektor ist ein entscheidender Baustein für eine gesunde und leistungsstarke Ökonomie. Gerade die aktuelle weltweite Finanzkrise zeigt, welch fatale Auswirkungen der Ausfall bereits einzelner Systemkomponenten hat und wie sich diese Probleme auf die Realwirtschaft übertragen können.

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Die Identifikation und Messung von Risiken im Finanzsektor ist somit von enormer Bedeutung. Wünschenswert wären zum einen natürlich verlässliche Aussagen über die Folgen makroökonomischer Schocks. Von besonderer Bedeutung ist aber auch die Gewinnung von Erkenntnissen darüber, wie sich Schwierigkeiten einzelner Institutionen in Form eines Dominoeffektes auf andere Marktteilnehmer und somit schließlich auf das Gesamtsystem übertragen können. Eine entscheidende Schwierigkeit hierbei ist die komplexe Struktur der Interaktionen zwischen den verschiedenen Akteuren. Solche Netzwerkeffekte wurden in der ökonomischen Forschung bisher kaum berücksichtigt. Der Forschungsbereich hat das Ziel, zu einem besseren Verständnis sowohl des Ausmaßes als auch der Struktur von Risiken im Finanzsektor und den entsprechenden Abhängigkeiten zwischen einzelnen Institutionen beizutragen. Dabei stehen vor allem folgende Fragen im Mittelpunkt:

    • Wie wirkt sich die Netzwerkstruktur der Kreditbeziehungen auf dem Interbankenmarkt auf die Stabilität des Gesamtsystems aus? Welche Maße lassen sich entwickeln, um zwischen fragilen und robusten Strukturen zu unterscheiden?
    • Auf welche Weise kann die Volatilität auf Finanzmärkten und ihre zeitliche Dynamik angemessen modelliert werden?
    • Wie lässt sich die Marktinteraktion heterogener Akteure realitätsnah modellieren? Wie lassen sich die empirischen Regelmäßigkeiten von Preisen von Finanzmärkten mit Hilfe von verhaltenstheoretischen Ansätzen erklären?
    • Welchen Erklärungs- und Prognosegehalt besitzen Maße für die Marktstimmung (wie z.B. Sentiment-Indikatoren) und wie lassen sich diese Indikatoren in mikroökonomische Modelle integrieren?

 

Forschungsprojekt "Network Effects and Systemic Risk in the Banking Sector" (gefördert von der Leibniz-Gemeinschaft)

 

Die 2008 einsetzende Finanzkrise hat die Bedeutung des Interbankenmarktes für das funktionieren des globalen Wirtschaftssystems hervorgehoben. Der Kollaps insbesondere des kurzfristigen Interbankenmarktes führte die Weltwirtschaft kurzzeitig an den Rand des Zusammenbruchs. Von Seiten der Öffentlichkeit, der Politik, der Aufsichtbehörden und der Wissenschaft wurde daher der Ruf laut nach einem besseren Verständnis der Stabilität des globalen Finanzsystems sowie der systemischen Risiken im Bankensektor.

 

Im Rahmen des von der Leibniz Gemeinschaft geförderten Projektes „Network Effects and Systemic Risk in the Banking Sector“ trägt unsere Forschungsgruppe in mehrfacher Hinsicht zur Lösung dieser Fragen bei:

  • Netzwerkstruktur von Bankensystemen. Um ein Verständnis für die Stabilität und Dynamik von Bankensystemen zu entwickeln ist es wichtig, zunächst deren grundlegende Netzwerkstruktur zu erforschen. Hierbei gehen wir der Frage nach, inwieweit unterschiedliche Bankennetzwerke ähnliche Verknüpfungsmuster aufweisen. Aus Zeitreihen von Verknüpfungsstrukturen lassen sich zudem Aussagen über das Bindungsverhalten von Banken ableiten und empirisch überprüfen.

  • Stabilitätsanalyse bekannter Bankennetzwerke. Mit Hilfe von analytischen Ansätzen und Simulationen untersucht unsere Forschungsgruppe den Zusammenhang zwischen Netzwerkstruktur und Stabilität von Bankennetzwerken. Neben der Netzwerkstruktur steht hier auch die Analyse der Größenverteilung von Bankbilanzen im Vordergrund.

  • Dynamische Modellierung von Bankensystemen. Ausgehend von bekannten Mustern im Verhalten von Finanzinstitutionen entwickeln wir dynamische Modelle von Bankensystemen. Diese dienen dazu, langfristige Entwicklungen in Bankensystemen zu untersuchen sowie die Systemstabilität und die Reaktion auf exogene Schocks zu analysieren.

     

Projektbeschreibung (pdf, englisch, 0.13 MB)

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