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23.05.2013
 
 
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Deskriptive Modellierung von Finanz- und Wettmärkten

Menschen müssen täglich Entscheidungen unter Unsicherheit treffen, da sie nur selten alle Faktoren kontrollieren können, die einen Einfluss auf die Konsequenzen ihrer Entscheidungen haben. Auch die meisten wirtschaftlich bedeutsamen Entscheidungen müssen unter Unsicherheit getroffen werden. Offensichtlich ist dies bei Geldanlagen am Finanzmarkt oder bei der Nachfrage nach Versicherungsschutz. Doch auch viele andere Entscheidungen wie die Nachfrage nach Bildung oder unternehmerische Investitionsentscheidungen müssen unter Unsicherheit getroffen werden und haben wie die beiden erstgenannten Beispiele starke Auswirkungen auf Wachstum und Wohlfahrt einer Volkswirtschaft. Besondere Bedeutung haben Entscheidungen unter Unsicherheit in Entwicklungsländern, da hier die individuellen Risiken aufgrund der weitgehenden Abwesenheit von finanziellen Institutionen und hinreichender Gesundheitsversorgung die Unsicherheiten im Vergleich zu entwickelten Ländern besonders hoch sind. Schließlich müssen auch bei der Analyse der wichtigsten ökonomischen Probleme auf globaler Ebene wie Klimawandel, Armutsbekämpfung oder Regulierung der Finanzmärkte die zu Grunde liegenden Unsicherheiten berücksichtigt und bewertet werden.

Aus den genannten Gründen erscheint ist offensichtlich, dass eine adäquate Modellierung des individuellen Entscheidungsverhaltens unter Unsicherheit für positive ökonomische Analysen von zentraler Bedeutung ist. Zahlreiche empirische Untersuchungen haben gezeigt, dass die traditionelle, normativ ausgerichtete Erwartungsnutzentheorie das beobachtbare Entscheidungsverhalten nur unzureichend abbilden kann. Beispiele aus der empirischen Finanzmarktforschung sind das equity premium puzzle und der Dispositionseffekt. Aus diesem Grund wurden zahlreiche deskriptive Alternativen zum Erwartungsnutzen entwickelt, von denen die Prospekttheorie zur Zeit am prominentesten ist. Doch auch die Prospekttheorie, die sich vom Erwartungsnutzen durch Wahrscheinlichkeitsgewichtung und Referenzpunktabhängigkeit unterscheidet, liefert für bestimmte Entscheidungssituationen kein zufriedenstellendes Abbild des tatsächlichen Entscheidungsverhaltens. Insbesondere zeigen neure experimentelle Studien, dass die Referenzpunktabhängigkeit in der Prospekttheorie unrealistisch modelliert ist. Zudem sollte berücksichtigt werden, dass das individuelle Verhalten oft nicht durch deterministische Entscheidungskalküle erklärbar ist, was auf die potentielle Relevanz geeigneter stochastischer Theorien hindeutet. Deshalb zielt dieses Forschungsprojekt auf eine verbesserte deskriptive Modellierung des Entscheidungsverhaltens unter Unsicherheit ab und versucht die gewonnen Erkenntnisse auf Finanzmärkte anzuwenden.

In diesem Forschungsprojekt werden darüber hinaus auch Märkte für Sportwetten betrachtet, die viele Gemeinsamkeiten mit Finanzmärkten aufweisen. Hier besteht der Vorteil, dass es in der Regel nur wenige wohldefinierte Umweltzustände gibt (z.B. Heimsieg, Auswärtssieg oder Unentschieden), wodurch die Abschätzung von subjektiven Wahrscheinlichkeiten wesentlich vereinfacht wird und das Entscheidungsverhalten daher leichter untersucht werden kann.

Insgesamt verfolgt das Forschungsprojekt folgende Ziele:

  • Entwicklung alternativer Theorien des individuellen Entscheidungsverhaltens unter Unsicherheit, die das tatsächlich beobachtbare Verhalten besser abbilden können.
  • Anwendung dieser alternativen Theorien in deskriptiven Modellen der Finanz- und Wettmärkte
  • Empirische und insbesondere experimentelle Studien des Entscheidungsverhaltens, um die Vorhersagekraft der alternativen Theorien zu testen.
  • Analysen der Effizienz und Regulierung von Wettmärkten auch mit dem Ziel, die gewonnen Ergebnisse auf Finanzmärkte zu übertragen.

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