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11.02.2012
 
 
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Die Interdependenz von Konjunktur und Wachstum

In der Makroökonomie werden konjunkturelle Schwankungen und langfristige Wachstumsperspektiven einer Volkswirtschaft in der Regel getrennt voneinander analysiert. So wird für die Identifikation von Konjunkturzyklen für gewöhnlich unterstellt, dass Konjunktur und Wachstum voneinander unabhängig sind. In der Theorie betrachten die Standardmodelle meist ausschließlich entweder konjunkturelle Schwankungen oder alternativ das langfristige Wachstum einer Volkswirtschaft.

Dieser strikten Trennung liegt die vorherrschende Meinung in der Makroökonomie zugrunde, dass konjunkturelle Schwankungen das langfristige Wachstum einer Volkswirtschaft nicht beeinflussen. Dies impliziert, dass geld- und fiskalpolitische Stabilisierungsmaßnahmen keine mittel- bis langfristigen Auswirkungen haben. Eine solche Annahme ist empirisch jedoch keineswegs abgesichert. Sie hat zudem zur Folge, dass hochrelevante gesellschaftspolitische Fragestellungen nur selten untersucht werden bzw. dass für sie keine angemessenen theoretischen Analyse-
werkzeuge zur Verfügung stehen. Dabei handelt es sich beispielsweise um die Frage, in welchem Ausmaß die Stagnation der großen europäischen Ökonomien auf die Geldpolitik zurückgeführt werden kann, inwiefern der Anstieg der europäischen Arbeitslosigkeit in den 1980ern und in der ersten Hälfte der 1990er Jahre mit dem dramatischen und anhaltenden Rückgang der Inflation zusammenhängt, wie wichtig die Geldpolitik bei der Erklärung des anhaltenden wirtschaftlichen Booms der 1990er Jahre in den Vereinigten Staaten war oder warum Japan in der sogenannten verlorenen Dekade der 1990er Jahre eine Deflation durchlebt hat.

Die Beantwortung solcher Fragestellungen ist von hoher Bedeutung, um die gesell-
schaftspolitischen Ziele des nachhaltigen Wachstums, der Vollbeschäftigung und der Preisstabilität besser erreichen zu können. Das Projekt "Die Interdependenz von Konjunktur und Wachstums" strebt die Entwicklung eines vereinheitlichten Rahmens für die Analyse der Beziehung von Zyklen und Wachstum an.

Dazu soll zunächst der Zusammenhang zwischen Konjunktur und Wachstum empirisch näher beleuchtet werden. So soll beispielsweise die Stärke des Zusammenhangs auf internationaler Basis anhand empirischer Methoden geschätzt werden. Besonderes Augenmerk wird bei der empirischen Analyse zudem auf die Entwicklungen während der Großen Rezession gelegt, da hier offenbar eine Vielzahl von Ländern gleichzeitig einerseits großen konjunkturellen Schwankungen aber auch Veränderungen der langfristigen Wachstumsperspektiven ausgesetzt waren. Auf theoretischer Seite besteht das Ziel des Projekts darin, einen Modellrahmen zu entwickeln, der es ermöglicht auf der Grundlage der modernen makroökonomischen Theorie, Konjunktur und Wachstum einheitlich zu analysieren. Anhand dieses Modellrahmens sollen dann vor dem Hintergrund der oben angerissenen Fragestellungen insbesondere die Auswirkungen von geld- und fiskalpolitischen Stabilisierungsmaßnahmen auf Konjunktur und Wachstum untersucht werden.

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