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25.07.2014
 
 
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Das Institut für Weltwirtschaft in der Anfangszeit des Nationalsozialismus

 

 Alte Ansicht des IfW Bernhard HarmsJens Jessen

►Flyer zur Veranstaltung

►Bildergalerie von der Veranstaltung

Der Wirtschaftswissenschaftliche Club am Institut für Weltwirtschaft in Kiel hatte im Rahmen der Feier zu seinem 90-jährigen Bestehen im letzten Jahr einen Überblick über die politische und wirtschaftliche Situation der Stadt Kiel in den zwanziger Jahren gegeben. Diese Veranstaltung war gleichzeitig ein Auftakt zu weiteren geplanten Vorträgen, die im Zusammenhang mit den bevorstehenden 100. Geburtstag des Instituts für Weltwirtschaft im Jahre 2014 geplant sind.

Einen Schwerpunkt der Vorträge im letzten Jahr bildete die Darstellung der Probleme, die die Christian-Albrechts-Universität nach dem ersten Weltkrieg zu  bewältigen hatte.  In diesem Jahr stand die sich daran anschließende, für das Institut für Weltwirtschaft und die Kieler Universität schwierige Phase der Machtergreifung durch den Nationalsozialismus im Mittelpunkt. Herr Dr. Hauke Janssen, Leiter der Abteilung Dokumentation des SPIEGEL  und Herr Harald Czycholl, freier Journalist aus Hamburg stellten die Entwicklungen und gravierenden Veränderungen dieser Epoche in zwei Vorträgen dar. Das Thema der Veranstaltung lautete:

  • Das Institut für Weltwirtschaft in der Anfangszeit des Nationalsozialismus. Zur kurzen Präsidentschaft von Jens Jessen im Jahre 1933

Im ersten Beitrag stellte Dr. Hauke Janssen die Grundströmungen der deutschen Volkswirtschaftslehre im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts dar. Er beschrieb die fortentwickelte klassische Theorie, die als eine rationale, individualistische Ordnung zu verstehen ist, in der Wirtschaft mit Leistung gleichgesetzt wird, und in der das reine ökonomische Denken und der Marktmechanismus zentrale Elemente darstellen. Ihr gegenüberzustellen ist der Historismus. Dieser kann als anschauliche Lehre beschrieben werden, nach der eine politische Ökonomie angestrebt werden sollte und die universalistisch orientiert und in der Wirtschaft als Teil übergeordneter Lebensziele anzusehen ist.

Wichtige Kieler Vertreter der klassischen Theorie sind Gerhard Colm, Adolph Loewe und Hans Neisser. Anhänger des Historismus sind z.B. Friedrich von Gottl Ottlilienfeld, Edgar Salin und Werner Sombart.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten musste Bernhard Harms sein Amt als Präsident des Instituts für Weltwirtschaft und Seeverkehr aufgeben und wichtige Mitarbeiter wurden entlassen. Seine international anerkannte Position als Spitzenforschungsinstitut hatte das Institut damit verloren. Nachfolger von Bernhard Harms wurde Jens Jessen. Er leitete das Institut vom 01. 10 1933 bis zum 24. 02. 1934.

Harald Czycholl beschrieb den Werdegang und das Wirken von Jessen im zweiten Vortrag der Veranstaltung. Angesichts der kurzen Amtszeit als Direktor des Instituts hatte Jens Jessen kaum Spuren im wissenschaftlichen Wirken hinterlassen können. Harald Czycholl zeigte, wie Jessen vom überzeugten Nationalsozialisten nach und nach von seiner Weltanschauung abrückte und wir er schließlich zum Unterstützer der Widerstandsbewegung um Claus Graf Schenk von Stauffenberg wurde. Jens Jessen wurde am 30 11.1944 in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

Die sich an die Vorträge anschließende Diskussion ließ ein zunehmendes Interesse an der Geschichte des Instituts für Weltwirtschaft erkennen und machte deutlich, dass weitere Veranstaltungen zur Geschichte begrüßt werden.